(8) Kummer und Freude zugleich

Seit sie wieder in Hamburg ist, besucht Elly ihre Großtante Annemarie regelmäßig. Sie liebt die alte Dame und deren Haus. Die Freude währt nicht lange.

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[…] Der Kummer brachte jedoch auch neue Freude und eine neue Aufgabe in Ellys Leben. Tante Annemarie hatte ein Testament hinterlassen, welches für sie und Hannes eine Überraschung bereithielt.

„Wir sind ihre Alleinerben? Du und ich? Sie ist mir wenige Tage vor ihrem Tod das erste und einzige Mal begegnet!“

„Tante Annemarie hatte eine hervorragende Menschenkenntnis. Und sie hatte eine Schwäche für Kavaliere. Eine Eigenschaft, die sie ihrer entzückenden Großnichte vermacht hat“, grinste Elly, ging auf die Zehenspitzen und zog Hannes zu sich herunter, um ihn zu küssen.

Dieser erwiderte den Kuss nur zu gerne, äußerte aber anschließend Bedenken hinsichtlich seiner überraschenden Erbschaft. „Die Erbschaftssteuern werden wir kaum aufbringen können.“ Er legte Elly die Arme um die Taille.

„Ich formuliere es mal so: Das Haus ist nicht das einzige, was wir erben. Sie hat auch noch einige Ersparnisse hinterlassen, mit denen wir sämtliche Kosten inklusive Beerdigung decken können. Und für meinen Vater bleibt auch noch etwas. Er hat sich schließlich in den letzten Jahren sehr viel um die alte Dame gekümmert. Du darfst dich somit ein bisschen mehr mit mir freuen. Wir haben ein Haus!“

Da Hannes noch immer nicht lächelte und gedankenverloren aus dem Fenster sah, kamen Elly Bedenken. „Ich weiß, dass es nicht das ist, was wir geplant hatten.“ Eigentlich war sie sich nicht bewusst, dass sie in dieser Hinsicht überhaupt bereits über ihre weiteren Pläne gesprochen hatten. „Es ist dir zu früh, nicht wahr?“

Hannes blickte vom Fenster weg und sah sie an. „Elly, ich bin einfach nur überrascht. Gib mir ein wenig Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen. In meiner Vorstellung hätten wir uns irgendwann zusammen ein Haus gesucht oder gar gebaut. Von heute auf morgen eines von einer Frau geschenkt zu bekommen, die nach einem einzigen Kennenlernen so viel Vertrauen in unsere Beziehung setzt, rührt mich ehrlich gesagt etwas.“

„Dann ist es dir nicht zu früh für unsere Beziehung?“

„Ich liebe dich und habe nicht vor, dich wieder herzugeben. Also ziehe ich sehr gerne mit dir in das Haus. Ich habe nur eine Bedingung“, sagte er sanft und steckte ihr eine Locke zurück in ihr Haarband.

„Einen Platz für deinen Flügel im Wohnzimmer?“ Der Gedanke, mit Hannes wieder am Klavier zu sitzen, steigerte Ellys Vorfreude ins Unermessliche.

„Das, auch wenn es meiner Mutter nicht gefallen wird, wenn ich meinen Flügel entführe, und“, er atmete tief durch, bevor er weitersprach, „dein rotes Sofa bleibt, wo es ist.“

„Warum?“, rief Elly empört. „Ich liebe mein Sofa!“

„Aber ich nicht. Ich habe versucht, mir einzureden, dass es nur ein Sofa ist. Aber es ist ein Relikt deiner Beziehung mit Florian.“

„Das ist nicht wahr. Das Sofa gab es schon vorher“, widersprach sie heftig.

„Mag sein. Aber ich kann mir vorstellen, was auf dem Sofa passiert ist.“

Jetzt musste Elly lachen. „Du bist eifersüchtig auf etwas, das vielleicht auf dem Sofa passiert ist?“

Hannes lehnte leicht verlegen den Kopf an den Türrahmen. „Vielleicht? Und ja, bin ich.“

„Und was ist mit deinem Sessel?“

Er warf einen Blick auf das durchgesessene Möbelstück und schaut dann zu ihr herunter. „Ich dachte, den magst du ebenso wie ich?“

„Ja, aber nicht mehr, wenn ich, dank dir, jetzt darüber nachdenke, was darauf geschehen sein könnte.“

„Nichts. Hannah fand ihn scheußlich und saß kein einziges Mal darin.“

Elly stöhnte. „Punkt für dich. Okay, das Sofa zieht nicht mit uns um.“ Sie fragte sich, warum Florian immer wieder zu einem Thema in ihrem Leben werden musste. Würde die Beseitigung des Sofas ihn endgültig zu einer Erinnerung machen, über die man nicht mehr reden musste? „Das musst du aber wiedergutmachen.“

Hannes beugte sich zu Elly hinab und küsste sie, während er ihr Haarband löste. „Nichts lieber als das.“