(7) Willkommen im Verlag

Elly hat ihren ersten Tag im neuen Job und muss sogleich beim Geschäftsführer vorstellig werden.

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„Das ist Ayla, deine Assistentin und ein Genie in der Analyse von Kennzahlen und User-Verhalten. Wann immer du irgendeine Art von Auswertung brauchst, wende dich an sie. Ansonsten wird sie dich bei der üblichen Bürokratie und allem, was dir auf dem Herzen liegt, unterstützen. Sie ist einer unserer alten Hasen und kennt sich so gut bei uns aus wie fast kein anderer.“

Elly reichte Ayla die Hand und ihr Gefühl sagte ihr, dass sie sich wunderbar verstehen würden. Außerdem besaß die junge Frau die gleichen wilden Locken wie sie selbst. Allerdings in Schwarz. Der Blick, mit dem Ayla Jana bedachte erschien Elly ein wenig feindselig. Doch vielleicht bildete sie sich das auch nur ein. Jana war seit zehn Jahren im Controlling des Verlages tätig und, sie war auch bei Ellys Vorstellungsgespräch zugegen gewesen. Sie hatte kaum etwas gesagt, was Elly etwas skeptisch gemacht hatte. Heute plauderte sie umso mehr.

„Dann bringe ich dich jetzt zu Richard.“

„Er ist wieder da?“ Elly hätte sich gerne auf das Gespräch vorbereitet.

Hatte Ayla gerade mit den Augen gerollt, als sie weggegangen war?

„Seit heute Morgen. Wir hatten damit gerechnet, dass er erst im nächsten Monat zurückkommen würde. Aber keine Angst. Richard ist der beste Chef, den man sich vorstellen kann. Sei einfach du selbst. Ihr mögt euch bestimmt.“ Jana lächelte sie aufmunternd an.

„Dein Wort in Gottes Ohr.“

Richard Findlings Büro lag im Dachgeschoss und war wesentlich kleiner als Elly es sich vorgestellt hatte. Ihr neuer Chef saß eingerahmt von zahlreichen Grünpflanzen hinter seinem Schreibtisch und betrachtete stirnrunzelnd einige Papiere in seinen Händen, als sie eintraten.

„Richard? Darf ich dir Eleonore Fischer, unsere neue PR-Managerin, vorstellen?“

Richard erhob sich, ging um seinen Schreibtisch herum und gab Elly lächelnd die Hand. Er war von schlanker Gestalt und überragte sie um mindesten zwanzig Zentimeter. Neben seinem zwar ergrauten, doch mit Ende sechzig noch vollem Haar, fielen ihr sofort seine Augen und die kleinen, markanten Fältchen an den Schläfen auf. Sie hatte das Gefühl, sie schon einmal gesehen zu haben, wusste aber im Augenblick nicht wo.

„Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Herr Findling.“ Sie zitterte ein bisschen.

„Richard, bitte. Wir sind hier alle per Du.“

„Gerne. Aber sagen Sie bitte Elly.“

Er bat sie, in der kleinen Sitzgruppe neben seinem Schreibtisch Platz zu nehmen.

„Kaffee? Jana, bitte bring uns zwei Kaffee“, delegierte er seine Controllerin, ohne sie anzusehen.

Jana wollte etwas erwidern, schloss den Mund jedoch wieder. Stattdessen zog sie die Augenbrauen kurz nach oben und begab sich sichtlich pikiert nach draußen, um zwei Minuten später mit einem Tablett mit Kaffee und Keksen zurückzukehren. Sie stellte es kommentarlos ab und verließ das Büro. Elly fühlte sich in ihrer Zuschauerrolle unwohl.

„Es tut mir leid, dass wir noch nicht miteinander sprechen konnten. Aber meiner Frau geht es leider gesundheitlich nicht sehr gut, weshalb ich in den vergangenen Wochen anderweitig verpflichtet war. Von deiner Bewerbung war ich ebenso angetan wie Carmen.“ Carmen war diejenige gewesen, die sie eingestellt hatte. „Deine Zeugnisse sind exzellent. Und nach eurem Gespräch sagte sie, du würdest perfekt zu uns passen. Nun ja, da sie seit vielen Jahren eine meiner zuverlässigsten und besten Mitarbeiterinnen ist, vertraue ich ihr fast blind.“

Elly musste zugeben, dass sie begann, Richard zu mögen.

„Ich habe nur eine Frage. Warum bist du aus Stuttgart weggegangen? Du hättest dort Karriere machen können.“

„Ich habe Stuttgart aus rein persönlichen Gründen verlassen, die mich zur Eile getrieben haben. Mein Ausscheiden aus dem dortigen Verlag mag überstürzt erscheinen, aber besondere Ereignisse erfordern manchmal besondere Maßnahmen. Was mich nicht darin hindert, hier weiter an meiner Karriere zu feilen.“

Richard lachte. „Ich mag Menschen, die wissen, was sie wollen, wann sie Entscheidungen fällen müssen und die auch mal zu ungewöhnlichen Mitteln greifen. Willkommen im Findling-Verlag, Elly.“