(15) Ein Geständnis

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Elly besucht Simon in Basel und spricht etwas aus, über das sie noch mit niemandem gesprochen hat.

Da in der folgenden Woche im gesamten Haus das Parkett abgezogen und ihm neuer Glanz verliehen wurde, mussten alle anderen Arbeiten pausieren. Elly kam die Pause gelegen. Während Hannes eine Extraschicht in Paris einlegte, nahm sie Urlaub und fuhr mit Emily nach Basel.

Gina verweigerte zwar weiterhin jeglichen Kontakt zu ihr, hatte jedoch nichts dagegen einzuwenden, dass Emily Paul und Moritz besuchte. Somit brachte Simon Emily bei seiner Ex-Frau vorbei und holte sie zwei Tage später wieder ab.

In Simons Wohnung führten sie die gleiche Diskussion, die sie bei jedem ihrer Besuche führten: Wer schlief auf dem Sofa, wer bekam das Bett? Am Ende gewann Elly jedes Mal das Sofa für sich. Von dort aus hatte man nämlich einen überragenden Blick in den nächtlichen Himmel über der Stadt.

Als sie später im Restaurant saßen, strich ihr Simon kurz über den Oberarm und frage besorgt: „Deern, du siehst müde aus. Alles in Ordnung?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Emily macht mir Sorgen. Hast du es gesehen?“

„Ja, habe ich.“

„Magst du nicht mal mit ihr reden? Sie erzählt dir doch alles.“

„Nein. Emily ist wie du. Sie wird darüber reden, wenn sie soweit ist.“

Sie wollte widersprechen, aber er hatte recht. Besonders, wenn er sie zusätzlich über den Rand seiner Brille hinweg ansah.

„Ja, Herr Professor, ich weiß.“ Sie zog ihn gerne mit seinem neuen Titel auf, weil er dann immer mit den Augen rollte und sie schimpfte, sie möge das lassen. Wenn ihn jemand damit ansprach, käme er sich so alt vor.

Und so kam es, dass er auch diesmal mit den Augen rollte – sie nahm an, dass er es unwissentlich tat – und verlegen lachte.

„Mach dir nicht zu viele Sorgen. Sie würde mit dir reden, wenn es wirklich schlimm wäre. Sie vertraut ihrer Mami.“

Er blickte weiterhin über den Rand seiner Brille. Er wartete. Er wartete darauf, dass sie weitersprach. Das war nicht alles, was sie bedrückte.

„Die Arbeit im Verlag ist stressig, diese Jana ist zeitweise unerträglich und manchmal fehlt mir der Spaß, den ich früher hatte.“ So offen hatte sie es bisher nicht ausgesprochen.

„Hast du zu viel zu tun oder nicht das richtige?“

„Weder noch“, entgegnete sie. „Florian fehlt mir.“

Simon zog die Augenbrauen in die Höhe. „Ich dachte, du willst ihn nicht mehr sehen.“

„Ja, will ich eigentlich auch nicht. Aber in ihm hatte ich immer einen Sparringspartner, der mich angestachelt hat. Richard tut alles, um mich weiterzubringen. Aber er findet immer alles gut, was ich mache. Florian mochte meine Idee auch, aber er hat trotzdem alles hinterfragt. Er hat mich provoziert, hat mit mir diskutiert und jeden Gedanken von allen Seiten betrachtet. Sogar am Ende war es eine gewinnbringende Zusammenarbeit.“ Es fehlte ihr so sehr, dass ihr die Tränen in den Augen standen. „Ich möchte um meine Ideen streiten, anstatt nur ein paar Punkte näher zu betrachten.“

Simon faltete seine Serviette zusammen und wieder auseinander. „Die Auseinandersetzungen mit dieser Jana könnten kein Ersatz werden? Sie scheint dir ja Kontra zu geben.“

Sie lachte verbittert. „Nein. Jana dreht alles, wie sie es braucht. Sie weist mich zwar auf Schwachstellen hin, liebend gerne bei großen Verlagskonferenzen, aber sie hilft mir nicht, sie zu beseitigen, sondern tut alles dafür, dass das Projekt scheitert oder zumindest so lange währt, bis es gestoppt wird. Florian hat trotz Diskussionen mit mir gearbeitet. Schließlich bedeutete Erfolg ja auch Geld für den Verlag. Jana arbeitet nur gegen mich.“

„Hast du das mal angesprochen?“

Sie schüttelte mit dem Kopf. „Nein, das war bisher nicht nötig. Das klang gerade schlimmer als es ist. Ich weiß mich dank Florians Schule zu wehren.“

Simons Denkfalte auf der Stirn legte sich noch immer nicht.

„Was denkst du?“

„Warum bist du gegangen, wenn dir der Job in Stuttgart so gefallen hat? Bereust du es?“ Eine direkte Frage, auf die sie keine direkte Antwort zu geben in der Lage war. „Manchmal.“ […]