(14) Nach der Messe

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Der Besuch auf der Leipziger Buchmesse hat Ellys Gefühlsleben noch einmal durcheinandergebracht. Doch sie hat auch eine Idee, wie sie solchen Ereignissen zukünftig aus dem Weg gehen könnte. Wenig später trifft sie sich mit Steffi im Möbelhaus, um ein neues Bett auszusuchen. Dabei führen sie endlich wieder ein lang vermisstes Frauengespräch …

[…] „Wenn du hier nichts findest, weiß ich auch nicht weiter.“ Steffis Blick schweifte über die schier endlose Schlafzimmerabteilung des Einrichtungshauses.

Elly stöhnte. „Ich hoffe es.“

Sie schlenderten durch die ersten Möbelreihen und Steffi fragte sich, wann Elly endlich mit der Sprache herausrücken würde. Ihre Freundin war mit ihren Gedanken überall, aber garantiert nicht hier. Ob es etwas mit dem Besuch auf der Buchmesse zu tun hatte? Elly hatte noch kein Wort darüber verloren und Steffi konnte nicht recht einordnen, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen war. Sie bezweifelte, dass ein Wiedersehen mit Florian ihre beste Freundin kaltgelassen hatte.

 „Kann ich dich etwas fragen?“

Ah, also doch. Steffi setzte sich auf das Bett, vor dem sie gerade stand und begann auf- und abzufedern. Eindeutig zu weich. „Ja, natürlich.“

„Ich weiß nicht, ob ich dich das fragen sollte, aber irgendwie lässt es mich seit einer Weile nicht los. Und ironischerweise sind wir heute am passenden Ort dafür.“

„Lass mich raten, es geht um Sex?“

Elly lachte. „Ja.“

Steffi hoffte, dass das Lachen ein gutes Zeichen war. Wenn Elly ihr jetzt erzählen sollte, dass sie während der Messe mit Florian geschlafen hatte, würde sie etwas antworten, das ihr selbst nicht gefiel, Elly jedoch noch wesentlich weniger erfreuen würde. „Frag.“

„Du hast so viel Erfahrung, was Sex angeht. Als ich mit Florian geschlafen hatte, hast du mich darum beneidet, dass ich auf einmal, und das schon zum zweiten Mal, so guten Sex hatte. Dann warst du plötzlich mit Stefan zusammen.“ Elly machte eine Pause und wich Steffis Blick aus. „Ich meine, was ich sagen will, bist du mit ihm glücklich? Auch im Bett?“

Steffi atmete erleichtert auf, klopfte neben sich auf die Matratze und Elly setzte sich.

„Ist das eine blöde Frage?“

„Nein, überhaupt nicht.“ Eigentlich hatte sie die Frage schon wesentlich früher erwartet. „Ich ärgere mich, weil wir uns in letzter Zeit so wenig über solche Dinge und dieses im Speziellen unterhalten haben.“

Elly lehnte den Kopf an Steffis Schulter.

„Ja, das sollten wir nachholen. Unsere Frauengespräche fehlen mir. Ich würde dir nämlich auch gerne etwas erzählen. Aber beantwortest du mir zuvor meine Frage?“

„Ich habe viele Erfahrungen mit Männern machen dürfen, ja. Darunter waren einige, auf die ich hätte verzichten können, andere möchte ich nicht missen, und ab und zu gab es auch mal einen, der vielleicht etwas von einem Christian Grey hatte. Ohne die Handschellen, du verstehst.“ Elly gab einen glucksenden Laut von sich, der Steffi kurz innehalten ließ. „Stefan gehört nicht unbedingt in die letzte Kategorie, da er, was die Wünsche einer Frau angeht, etwas weniger empathisch veranlagt ist. Aber da ich darauf nicht außerordentlich viel Wert lege, weil ich weiß, wie ich bekomme, was ich will oder es mir nehme, komme ich damit sehr gut zurecht.“ Steffi grinste Elly selbstbewusst an.

„Und?“

„Ich denke, dass es nicht darauf ankommt, ob jemand ein Christian Grey ist, sondern ob beide miteinander kompatibel sind. Und ihr ward es nun mal nicht. Ihr habt euch weder wirklich geliebt noch die gleichen Wünsche und Bedürfnisse gehabt. Ihr konntet dem anderen nicht geben, was er wollte, ohne zu jemandem zu werden, der ihr nicht ward. Wie ich bereits erwähnte, es gibt Männer, zu denen Stefan aber nicht zählt, die sind einfach unfähig. Da gibt es nichts zu diskutieren. Aber für alle anderen gibt es irgendwo das berühmte Deckelchen. Du hattest das irrsinnige Glück, gleich auf mehrere Wesen des anderen Geschlechts zu treffen, die mehr als kompatibel waren.“ Steffi fragte sich wiederholt, wie es Elly geschafft hatte, dass sich drei Männer gleichzeitig nicht nur unsterblich in sie verliebt hatten, sondern ihr auch Nächte geschenkt hatte, wie sie E.L. James nicht besser hätte schreiben können. „Und Hannes ist dein Deckelchen.“

Elly umarmte Steffi spontan. „Danke für deine Ehrlichkeit.“

„Lebenserfahrung, meine Gute.“ Sie erntete einen Knuff in die Seite.

„Darf ich dir jetzt etwas zeigen?“

Steffi ließ sich von ihrer Freundin an die Hand nehmen und in den nächsten Gang führen. Sie schaute auf das Bett, vor dem Elly stehenblieb, runzelte die Stirn und schaute Elly ungläubig an. „Du willst so ein altmodisches Bett mit schmiedeeiserner Rückwand und Fußteil? Zugegeben, es passt zu eurer Altbauvilla. Trotzdem, warum? Da bleibt man mit den Füßen doch nur zwischen den Gitterstäben hängen.“

Elly setzte sich und klopft nun ihrerseits auf den Platz neben sich. Steffi tat wie ihr geheißen.

„Als ich Florian als Christian Grey bezeichnet habe, hast du die Bezeichnung durchaus richtig interpretiert. Sie war auf seine Bestimmtheit und seine Empathie bezogen. Er hatte eine unwiderstehliche Anziehungskraft und wusste, mich mehr als glücklich zu machen. Aber“, Elly holte tief Luft, bevor sie weitersprach. „Aber der Christian Grey mit der silbergrauen Krawatte ist Hannes.“ Sie hielt inne und schaute Steffi erwartungsvoll mit einem leichten Grinsen an.

Steffi wartete zunächst darauf, dass Elly weitersprach, doch dann begannen ihre Worte langsam zu dem Bereich ihres Gehirns vorzudringen, der die empfangenen Informationen verarbeitete. Sie rang um Luft und ihre Stimme kiekste. „Hannes? Ehrlich? Nein.“

„Doch.“

„Und du magst das?“

Elly wendete verlegen den Blick ab, während ihr Wangen zu glühen begannen. „Ja, manchmal. Aber nur die Krawatte, auf den Rest des Spielzimmers kann ich verzichten.“

Steffi schüttelte den Kopf. „Eigentlich habe ich immer gedacht, ich hätte den größten Schock erlitten, als du mir erzählt hast, dass du mit Simon geschlafen hast. Aber das hier übertrifft es eindeutig. Deshalb das Bett.“

„An den vielen Verstrebungen und den Bettpfosten lässt sich ein Haarband zum Beispiel ziemlich gut befestigen.“

Steffi hielt Elly die Hand vor den Mund. „Schluss jetzt. Ich muss das erst verdauen. Erst dann will ich Einzelheiten.“ Sie fragte sich, ob es Dinge gab, die man nicht über die beste Freundin wissen wollte. Obwohl … Details aus der Beziehung mit Florian hätten sie interessiert. Hannes mochte durch kleine Fesselspiele Abwechslung ins Schlafzimmer bringen, aber der Glanz, der in Ellys Augen getreten war, wenn sie von den Nächten mit Florian gesprochen hatte, zeugten von deutlich größeren Abenteuern. „Da wir aber gerade beim Thema sind, wie war es auf der Messe? Du hast nichts erzählt.“

„Beim Thema?“

„Na ja, Christian Grey.“

„Er war nicht da“, entgegnete Elly kurz und knapp.

Zu knapp, dachte Steffi. Aber sie beließ es dabei. „Wie war dein Gespräch mit Emily?“

„Wenig erhellend. Sie hat felsenfest behauptet, es wäre alles in Ordnung und sie würde die Besuche bei uns nicht absichtlich vermeiden. Alles nur Zufall.“

„Hast du ihr geglaubt?“

„Natürlich nicht. Ich weiß, dass etwas faul ist. Aber da es ihr offensichtlich gutgeht, werde ich sie zunächst nicht weiter drängen, nur weiter beobachten.“ […]