(11) Eine Messe unter schlechtem Omen

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Emilys eigenartiges Verhalten hat sich über Weihnachten nicht verändert. Elly ist weiterhin ratlos. Doch das neue Jahr bringt noch ein anderes Problem mit sich …

[…]

Simon hatte den Jahreswechsel bei seinen Eltern in Cornwall verbracht und sich nicht zum ersten Mal gefragt, warum sie sich für ihren Ruhestand nicht wie andere auch eine warme Mittelmeerinsel hatten aussuchen können. Er konnte natürlich die Liebe seines Vaters zu der rauen englischen Küste nachvollziehen, er war schließlich hier geboren worden, jedoch mit nicht mal fünf Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland übergesiedelt. Reichte es nicht, hier ab und zu Urlaub zu machen? Mussten sie sich gleich hier niederlassen? Simon war zwar im niederschlagsreichen Kiel aufgewachsen, aber unter seinen Vorfahren musste irgendwo ein Südländer seine DNA hinterlassen haben. Seine Wohlfühltemperatur begann bei dreißig Grad.

Sein Unmut wurde verstärkt von dem Wissen, dass Gina gerade mit den Kindern bei Verwandten auf Sizilien war und dem Umstand, dass ihm bei einem seiner langen Spaziergänge an Cornwalls Küste Steffis Worte auf dem Dachboden wieder in den Sinn kamen. Er hatte versucht zu tun, was sie ihm gesagt hatte.

Er rief Elly an. Es war bereits nach neun und sie war immer noch im Verlag.

„Ja, leider“, stöhnte sie. „Die Vorbereitungen für die Leipziger Buchmesse laufen nicht so, wie ich es mir vorstelle. Habe ich eine Baustelle beseitigt, tut sich die nächste Katastrophe auf.“

„Das klingt nicht gut. Kann ich dich irgendwie aufmuntern?“ Eigentlich hatte er gehofft, durch das Gespräch sich selbst aufzumuntern.

„Nein, ich glaube, da ist heute nichts mehr zu machen.“ In ihrer Stimme lag eine Niedergeschlagenheit, die nicht nur von der Arbeit kam.

„Du fährst selbst zur Messe?“

„Ich muss.“

„Aber du willst nicht“, sagte Simon und wusste instinktiv, warum.

„Ich will ihn einfach nicht sehen, Simon.“

„Aber wovor hast du Angst, Deern? Es kann dir doch völlig egal sein, ob er dich noch liebt oder nicht.“

„Es ist nicht die Tatsache, ob er mich noch liebt“, erwiderte sie kleinlaut.

Die Frage lag ihm schon auf der Zunge, als ihm ein Licht aufging. „Oh“, war das einzige, was er zunächst hervorbrachte. Das hatte er nicht vermutet. „Du befürchtest, wieder schwach zu werden.“

Ellys Schweigen deutete er als ein Ja. Als Florian und sie noch zusammen gewesen waren, hatte Steffi einmal von Ellys Christian Grey gesprochen. Er hatte getan, als wüsste er, von was die Rede war, den Namen jedoch im Anschluss gegoogelt, was ihn zu ganz neuen Erkenntnissen gebracht hatte – besonders hinsichtlich seiner besten Freundin. Darin hatte also die besondere Anziehungskraft Florians gelegen. Und tat es scheinbar immer noch. Simon hatte sich ein wenig gekränkt gefühlt, da er bis dahin der Meinung gewesen war, Paris wäre für sie beide mehr als nur leidenschaftlich gewesen. Was durch den Umstand unterstrichen wurde, dass ihn die Erinnerung erregte.

„Hast du dich endlich wieder mit Steffi vertragen?“

Er hasste Ellys abrupte Themenwechsel. Und irgendwann würde er es auch schaffen, ihr das zu sagen. „Wir reden wieder miteinander.“

„Sehr gut …“, sagte Elly, bevor er ein Quieken und Poltern hörte.

„Elly?“ Nichts. „Elly, bist du noch da? Alles in Ordnung?“ Die Verbindung brach ab.

Simon starrte sein Smartphone einen Moment lang verständnislos an, dann wählte er erneut Ellys Nummer. Sie nahm nicht ab.